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Die Probleme der Deutschen mit der Zukunft

Sind die Deutschen eine an der Zukunft besonders desinteressierte Nation? Fast will es so scheinen. Nicht nur die geringe Resonanz zukunftsorientierter Blogs wie diesem hier weist darauf hin - dafür kann es schließlich auch andere Gründe geben - sondern auch die geringe kommerzielle Ausbeutung der Zukunft in deutscher Literatur, Film und Fernsehen.

Zwar gibt es mit u.a. Eschbach und Schätzing immerhin einige ernsthafte deutsche Science Fiction Autoren. Wo aber richtig Geld investiert werden muss, z.B. in TV-Serien oder Filmen, ist in Deutschland nichts los. Deutsche TV-Filme spielen zumeist in den letzten 100 Jahren. Die letzte Science Fiction Serie war “Raumpatrouille” von 1966; die letzten ernsthaften deutschen SF-Filme wurden von Rainer Erler in den 70ern gedreht. Falls heute einmal jemand auf die Idee kommt, Science Fiction zu verfilmen, wie z.B. die ZDF-Serie “Ijon Tichy“, muss es ohne Budget von Studenten gedreht und nach Mitternacht gesendet werden, damit ja nicht zuviel Zukunft im Fernsehen zu sehen ist.

An mangelnder Kreativität liegt es nicht. Der Regisseur Roland Emmerich drehte in Deutschland billige SF-Filme, fand jedoch keine Investoren und musste jedoch schliesslich in die USA gehen, um richtige und erfolgreiche Projekte realisieren zu können. Seit 15 Jahren versucht der deutsche Filmproduzent Bernd Kammermeier, für den groß angelegten SF-Film “Astro Saga” Investoren zu finden, jedoch ohne nachhaltigen Erfolg. Kammermeier überlebt in Deutschland, indem er fürs ZDF antike Modelle und Kulissen baut. Seit Einstellung der “Raumpatrouille” nach wenigen Folgen gab es unzählige Versuche, diese Serie, die immer populär ist, neu aufzulegen - alle scheiterten.

Wie es aussieht, muss für die Zukunft der Zukunft in Deutschland noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden.

{ 1 } Comments

  1. Claudius Gros | 16. Juni 2009 at 10:51 | Permalink

    Für Christian’s These spricht auch, dass sich die sog. professionellen Zukunftsforscher (eher: Trendforscher) in Deutschland noch nicht organisiert haben, im Gegensatz zu ihren amerikanischen Kollegen. Zukunft 25 ist ja auch Mitglied beim Netzwerk Zukunftsforschung, welches mal die Dachorganisation der deutschsprachigen Zukunftsforscher sein soll.

    Allerdings sind diese Beobachtung auch mit Vorsicht zu geniessen. So gelten die Deutschen gemeinhin auch als Technikfeindlich und doch schaffen wir es, mehr oder minder, unseren Bedarf an Ingenieuren selber zu decken, ganz im Gegenteil zu den Technikbegeisterten Amerikanern, für welche der Brain-Drain von Wissenschaftler und Ingenieuren mittlerweilen von essentieller Bedeutung ist.

    Vielleicht liegt es auch an den Themen. Ich bin der Meinung dass mit den Vorboten des Transhumansimuses ein Wachrütteln der öffentlichen Aufmerksamkeit vorstatten gehen könnte.

{ 1 } Trackback

  1. […] wenn man durchaus dafür argumentieren kann, daß die Deutschen Probleme mit der Zukunft haben, sie gelten andererseits immer noch als Volk von Tüftlern. Sogar das spielerisch-kreative […]

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