Wir sehen weltweit einen starken Trend zu einer utilitaristischen Ethik. Also einer Ethik welche sich an Kosten und Nutzen orientiert. Diese Entwicklung ist besonders im anglosächsischen Raum ausgeprägt, zwei Beispiele.
Vor einigen Jahren gab es in der US-Medizinethik eine breit diskutiert Veröffentlichung mit dem Titel “Dignity as an useless concept”. Menschwürde sei ein unbrauchbares Konzept, zumindest wenn es um Operationen, Behandlungen und sonstige medizinische Fragestellungen gehe. Für diese sei alleine der Nutzen einer Behandlung das Ausschlag gebende Kriterium. Wird damit auch der ersten Satz des deutschen Grundgesetzesmach zehnder modulator “Die Würde des Menschen ist unantastbar” unbrauchbar und nutzos?
Ein zweites Beispiel: Dieses Jahr, 2009, gab es eine Artikel im Time-Magazin zu den Folter-Praktiken der Bush-Ära. Die Schlussfolgerung, und diese ist typisch: Es habe sich nicht geloht. Viel Folter für wenige Informationen und dafür hätte man mit einem Verlust an moralischer Autorität zahlen müssen. Eine typische Kosten-Nutzen Rechung: Der Preis (Verlust an moralischer Autorität) sei zu hoch für den Gewinn (Informationen). Die Einsicht, dass es keine moralische Autorität geben kann wenn man Folter unter diesem Gesichtspunkt sieht, ist wohl leider nur noch bei wenigen anzutreffen.
Auch wenn religiös orientierte Menschen und viele Philosophen es anders sehen: Schlussendlich wird Ethik vom Mensch und für den Menschen gemacht. Wenn es keine absoluten Massstäbe gibt, dann ist auch nicht klar wohin langfristig die Entwicklung gehen wird. In diesen Jahrzehnten zumindest ist der utilitaristische Standpunkt stark auf dem Vormarsch.
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Das ist eine wichtige Frage für die Zukunft: Nach welchen Gesichtspunkten soll man ethische Maßstäbe bewerten? Man kann ohne weiteres absolute Maßstäbe definieren - der utilitaristische Ansatz ist ja auch ein absoluter, d.h. überall und immer geltender Maßstab. Das Problem ist nur, dass nicht alle Menschen diesem Maßstab zustimmen werden und dass die Wahl ethischer Maßstäbe vom Zeitgeist abhängt.
Je präziser man ethische Grundsätze definiert, desto weniger allgemeine Zustimmung werden sie finden.
Der typische nichtreligiöse Ansatz für einen Ethik-Maßstab ist der Kantsche Imperativ, auf den sich die meisten einigen können, der jedoch so umfassend ist, dass er auch Folterpraktiken zulässt. Ähnliches gilt für das Grundgesetz, das die Würde des Menschen für unantastbar erklärt, ohne diese Würde jedoch zu definieren.
So gesehen hat der utilitaristische Ansatz durchaus etwas für sich.
In der Tat hat der utilitaristische Ansatz etwas für sich und alle praktisch realisierbaren Ethiken werden eine utilitaristische Komponente haben.
Ich sehe jedoch, u.A. das Problem der Bewertung. Um utilitaristische zu argumentieren muss man die Folgen gut abschätzen können. Das kann man jedoch in vielen Situationen nicht, insbesondere wenn es um Langzeitfolgen oder gesellschaftliche Effekte geht.
Wenn erlaubt ist, wie in den US derzeit, sachlich über Vor- und Nachteile von Folter zu sprechen und dieses Thema mit keinem Tabu belegt ist, wie wird sich diese Folterdiskussion mittel- und langfristig auf die Entwicklung der allg. Moral- und Ethikvorstellungen auswirken?
Ich denke, in diesem Fall, sind die Langzeiteffekte gross und gravierend. Da diese jedoch nicht genau zu quantifizieren sind (siehe auch meinen Beitrag zu den Komplexitätsbarrieren) , werden die Langzeiteffekte diskontiert, d.h. sie spielen keine grosse Rolle.
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