Telepolis Special 01/2009
Nach dem Wissenschaftshistoriker Franz Graf-Stuhlhofer verdoppelt sich das wissenschaftliche Wissen (basierend auf der Entwicklung von 1500 bis 1900 - und damit sehr konservativ gesehen) ungefähr alle 100 Jahre.
In 1000 Jahren also um 2 hoch 10 = 1024. Es nimmt um knapp 0,7% pro Jahr zu.
Frage:
Wie seriös kann demnach unsere heutige Beschreibung der Welt in 1000 Jahren sein, wenn die Vorhersage auf weniger als einem Promille der dann wahrscheinlich bekannten Naturgesetze beruht?
{ 3 } Comments
Ich denke, dass man dennoch über die Welt in 1000 Jahren seriös spekulieren kann. Die Wissensverdopplung ist nur einer von mehreren Faktoren, die die Entwicklung der Welt beeinflussen - und nicht einmal der wichtigste.
Es ist ja nicht so, dass die sich Zahl der Naturgesetze in 1000 Jahren um den Faktor 1024 erhöht haben wird. Im Gegenteil, vermutlich wird die Zahl abgenommen haben, im Idealfall auf ein einziges Naturgesetz und ein einziges Modell, welches die Welt vollständig beschreibt. Die Ansammlung wissenschaftlichen Wissens dient auch dem Zweck, dieses eine Naturgesetz zu finden.
Christian,
ich meine nicht die Entwicklung der Welt sondern das dann von den Menschen denkbare Weltbild. Und das kann seriös - wie auch heute schon - nur auf wissenschaftlich begründetem Wissen basieren.
Wie drückt sich denn mehr Wissen aus - im Umfang und der Komplexität - oder/und in der Anzahl der Theorien und Gesetze.
Sollte es den baldigen Durchbruch bei der maschinellen Intelligenz geben, dann wird sich das Wissen vielleicht alle 10 Minuten verdoppeln und sich völlig von der kognitiven Verarbeitungskapazität des Menschen lösen.
Eine Maschine ist nicht durch die 7 Items des menschlichen Kurzeitgedächnisses in der Kompexität ihres “Denkens” begrenzt. Sie kann einige hundert Items sehr hoher Komplexität gleichzeitig in Beziehung setzen.
Wir dürfen nicht vergessen, dass das menschliche Gehirn mit seinem Kurzzeitgedächtnis in vielen Jahrmillionen der Evolution auf möglichst große kognitive Leistung optimiert wurde. Vielleicht braucht man nicht mehr als 7 Items. Es ist nicht gesagt, dass eine Maschine, die 100 Items gleichzeitig verknüpfen kann, auch um den gleichen Faktor effektiver ist als das menschliche Gehirn.
Ähnliches gilt auch für das Wissen. Wenn Wissen optimal angeordnet und zugreifbar ist, kann ein Mensch eine riesige Informationsmenge für seine Entscheidungen nutzen, indem er alles irrelevante Wissen einfach herausfiltert. Zudem kann das Wissen nicht unbegrenzt exponentiell ansteigen. Es gibt nur eine begrenzte Dichte nützlicher Information im Universum. Im Hubble-Volumen existieren 10^78 Atome, die Informationsmenge liegt also in der Größenordnung von 2^10^78 Bit.
Ich bin also eher optimistisch und glaube nicht, dass wir in der Zukunft mit riesigen Wissensmengen konfrontiert sind, die wir nicht mehr bewältigen können.
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[…] seinem ►Beitrag that Günter darauf hingewiesen, dass unser Wissen allem Anschein nach exponentiell wächst. Daraus […]
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