Letzte Woche habe ich eine Konferenz, die ►AGI-09, über künstliche allgemeine Intelligenz (►AGI - Artificial General Intelligence) besucht, da ich auf verwandten Gebieten selber forsche. Da treffen sich die Forscher, welche von sich selber glauben, dass sie es einmal schaffen werden, also wirklich intelligente Roboters und synthetische Intelligenzen zu bauen bzw. zu erschaffen. Wann das gelingen wird steht derzeit in den Sternen. Viele der Teilnehmer der AGI-09 waren recht optimistisch und glauben dass es nur 20-40 Jahre dauern wird bis es soweit ist, ich bin da etwas skeptischer. Wie dem auch sei, eines Tages werden Roboter, wie sie auch immer aussehen werden, intelligenter als die Menschen sein.
Die Frage ist: was dann? Interessanterweise waren die meisten Teilnehmer der AGI-09 der Meinung, dass sie als Ergebnis ihrer Forschung überflüssig würden. Das ist also ein wenig schizophren, tüchtig an der eigenen Existenzberechtigung zu sägen.Die Argumente hierfür sind einfach und überzeugend. Wenn es erstmal Roboter mit Intelligenz auf menschlichen Niveau gibt, dann wird die weiter technische Entwicklung schnell zu weiterem Fortschritt und via Massenproduktion zu einer rapiden Kostensenkung führen. Wenn Roboter als künstlichen Lebewesen, wie alle Lebewesen, sich dann wirtschaftlich verhalten, dann werden sie aufgrund Ihrer höheren Leistungsfähigkeit den Menschen bald aus vielen, später dann aus allen, Berufen verdrängen. Die Menschheit wird nutzlos.
Diese Aussicht störte die Teilnehmer der AGI-09 allerdings nicht im geringsten sondern wird als eine positive Utopie angesehen, welche es zu erreichen gibt. Aus zwei Gründen. Zum einen wird allg. angenommen, dass die Menschheit dann in einem Art luxuriösem Zoo leben wird, welche die Roboter aufgrund ihrer fast grenzenlosen Produktivität problemlos mitversorgen werden. Zum anderen stehe es dann ja jedem Menschen offen, mit Hilfe von geeigneten interen oder externen Implantaten selber zum transhumanen Supercyborg zu transmutieren, was die meisten Teilnehmer der AGI-09 wiederum auch als erstrebenswert ansehen.
Schlussendlich müssen wir uns der Frage stellen. Auch wenn es noch etwas länger, oder sogar noch viel länger, dauern sollte, irgendwann ist es möglicherweise soweit: Roboter soweit das Auge reicht und was die Menschheit macht ist irrelevant. Das hat eine interessante Konsequenz für unser Tun und Handeln im Hier und Jetzt: Für wen sollen wir uns eigentlich ins Zeug legen, wenn eines Tages doch die Roboter alles bestimmen? Das ist im Grunde genommen eine Abwandlung der Motivationsfrage, die Kay auch in seinem ►Beitrag diskutiert hat.
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All die Spekulationen über hochintelligente Roboter und die bevorstehende Singularität setzen voraus, dass sich effektive Intelligenz linear steigern lässt. Ein Roboter, dessen Gehirn doppelt so viele Neuronen enthält wie das Einsteins, kann demnach eine doppelt so gute Relativitätstheorie entwickeln. Es gibt jedoch keinen Beweis, dass dem wirklich so ist.
Manche Fähigkeiten, wie z.B. Körperkraft, lassen sich sicher mit Roboterhilfe linear steigern. Andere dagegen können nur einem Grenzwert zustreben - wie etwa die Fähigkeit, die Zukunft vorherzusagen. Mit der Intelligenz könnte es sich genauso verhalten. Vielleicht liegt der Intelligenz-Grenzwert nahe dem, den Menschen bereits erreichen. Einen Hinweis darauf geben Schachcomputer. Obwohl sich die Rechengeschwindigkeit von Schachcomputern in den letzten 15 Jahren um den Faktor 100 gesteigert hat, ist ihre Schach-Leistung nur um wenige ELO-Punkte gestiegen. Wobei das Schachspiel noch eine einfache und leicht parametrisierbare Aufgabe ist, eigentlich ideal für Computer.
Auch wenn Roboter bald den Menschen intelligenzmäßig ebenbürtig sind, könnten sie an allgemeine Grenzen stoßen. Sie werden dann keineswegs neue Naturgesetze und Philosophien entwickeln, auf die die Menschheit wegen ihrer zu geringen Intelligenz noch nicht gekommen ist. Sie werden eher mittels ihrer überlegenen Körperkraft, Schnelligkeit und Ausdauer mit Menschen konkurrieren, so wie sie dies ja jetzt bereits tun.
Die Bemerkung von Christian ist sehr interessant. Kannst Du da Quellen angeben, wie sich die Leistungsfähigkeit von Schachcomputern (Geschwindigkeit / Rangliste) entwickelt?
Es wäre auch sehr interessant zu wissen ob es weitere, messbare Beispiele gibt (Leistungsfähigkeit von Computern / Fähigkeiten welche eine gewisse Intelligenz benötigen).
Ganz allgemein ist das übrigens eine These, welche durchaus einen wahren Kern haben könnte. Zwar gibt es auch beim Menschen sehr grossen individuelle Unterschiede in den in den intellektuellen Leistungsfähigkeiten. Doch wenn eine Steigerung exponentiell schwierig ist, dann hätten wir in der Tat einen Art Grenzwert erreicht.
Die aktuellen ELO-Werte von Schach-Engines findet man hier:
http://www.playchess.com/stats/engineranking.htm
Ich kenne allerdings keine Statistik über die Entwicklung der ELO-Werte von Top-Schachcomputern in den letzten 10 Jahren. Jedoch können sie vor 10 Jahren, als Kasparov von Deep Blue besiegt wurde, nicht weit unter dem jetzigen Wert gelegen haben. Der ELO-Wert von Schach-Weltmeistern liegt im Bereich 2700-2800. Das letzte grosse Turnier eines Weltmeisters (Kramnik) gegen einen Schachcomputer (Deep Fritz) liegt schon einige Jahre zurück - ich glaube 2007 - und endete ausgeglichen.
Es sieht also so aus, als würden Schachcomputer seit 10 Jahren auf bzw. leicht über menschlichem Weltmeisterniveau spielen, aber trotz ihrer ständig gesteigerten Rechenleistung nicht wesentlich darüber hinaus kommen.
In diesem Kontext lohnt sich m.E. ein Blick auf verschiedene Möglichkeiten bzgl. der Entwicklung des Homo Sapiens. Es gibt verschiedene Wege, neben den bereits hier geschilderten. Eine davon ist die Entstehung einer “neuen Spezies”, z.B. adaptiert zu Schwerelosigkeit. Ob allerdings die Zeit für eine solche Artenbildung da ist, kann ja debattiert werden. Ein interessanter Beitrag zu diesem Thema ist hier zu lesen► The future of man
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