Unsterblichkeit - das ist ein grosses Thema und kann von vielen Seiten beleuchtet werden, so wie es Christian in seinen Beiträgen ► Unsterblichkeit-I und ► Unsterblichkeit-II schon getan hat.
Zunächst: Es wird für uns Menschen keine echte Unsterblichkeit geben, zumindest solange wir biologische Körper haben, sondern nur einen ewigen Kampf gegen Krankheit und Alter. Mit geeigneten Massnahmen wird man dadurch den eigentlichen Todeszeitpunkt vermutlich um Jahrzehnte, möglicherweise auch um Jahrhunderte herausschieben können. Ich will das `Quasi-Unsterblichkeit’ nennen.
Die Aufgaben sind enorm, aber im Prinzip wohl nicht unlösbar. So muss man aus allen (!) Körperzellen die kleinen Abfälle entfernen, welche sich über die Jahrzehnte hinweg in mikroskopischen Mengen in den Körperzellen ansammeln. Es sind derzeit zirka ein gutes Dutzend derartiger Problem bekannt, welche mit dem Altern zusammenhängen.
Es ist aber ein Irrglaube zu meinen, wenn man Krankheiten wie Alzeiheimer, Krebs, Arterien-Abnutzung etc mit aufwendigen Behandlungen im Griff bekommen hat, sowie alle anderen derzeit bekannten Abnutzungsprozesse, dass dann die sorgenfreie Unsterblichkeit beginnen würde.
Was man dann erreicht hat, sind die stärksten Verschleissungs-Vorgänge zu beseitigen oder abzumildern. Dann, wenn wir erst einmal alle 100-150 Jahre alt werden, dann werden weiter Abnutzungsprozesse und Krankheiten zu Tage treten, welche vorher nicht offenkundig waren, da sie langsamer ablaufen. Diese zu beseitigen wird dann mit Sicherheit nicht einfacher werden, sondern schwieriger.
Und so wird es immer weiter gehen. Nach der Behandlung der Abnutzungsprozesse zweiter Stufe, werden die der dritter Stufe akut, etc. Quasi-Unsterblichkeit wird damit zum verlängerten Urlaub im Krankenhaus.
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Wir wissen natürlich noch nicht, wie die Heilung des Alterns in der Praxis aussehen wird. In Science-Fiction-Romanen sind Unsterbliche meistens kerngesunde Burschen, die sich allenfalls mit psychischen Folgen der Unsterblichkeit herumschlagen müssen. Die Frage ist aber berechtigt: Ist Unsterblichkeit ungesund?
Um nicht zu altern, sind drei Möglichkeiten denkbar. Man kann bei einem sterblichen Menschen das Altern mit medizinischen Mitteln stoppen, man kann Menschen genetisch so verändern, dass sie von vornherein nicht mehr altern, oder man kann ganz auf einen biologischen Körper verzichten, etwa durch Transfer des Bewusstseins in eine Maschine. In den beiden letzteren Fällen sind wohl keine permanenten Krankenhausaufenthalte erforderlich.
Bleibt Fall 1, das Heilen des Alterns eines genetisch sterblichen Menschen. Nun ist ein Mensch aber keine Maschine, bei der ständig irgendwelche Teile sich abnutzen und ausgewechselt werden müssen. Zellen haben Mechanismen, die ‘kleinen Abfälle’ zu recyclen und dem Zellstoffwechsel wieder zuzuführen. Zu stark beschädigte Zellen können gezielt ‘Selbstmord’ begehen, worauf sich eine neue Zelle bildet. Aus diesem Grund sind einfache Lebewesen, wie Seesterne oder Seegurken, auch ohne Krankenbehandlung potentiell unsterblich. Wenn die Zellreparaturmechanismen auch bei höheren Lebewesen perfekt funktionieren würden, gäbe es altersbedingte Abnutzung nur noch im makroskopischen Bereich, z.B. an den Zähnen durch Abrieb, oder in den Arterien durch Ablagerungen. Solche mechanischen Abnutzungsprozesse sind aber überschaubar und relativ einfach korrigierbar.
Nur wenn es nicht gelänge, das Altern in den Zellen zu stoppen, müsste man ständig durch Organtransplantationen etc. eingreifen - das wäre in der Tat keine Unsterblichkeit, sondern nur eine verlängerte Sterblichkeit. Ich sehe aber keinen Grund zur Annahme, dass wir die Zellalterung niemals in den Griff bekommen werden. Wenngleich man also über den praktischen Ablauf einer Alters-Heilbehandlung heute nur spekulieren kann, glaube ich kaum, dass Unsterbliche ihren Wohnsitz ins Krankenhaus verlagern müssen.
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