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Kann eine Wette helfen, interstellare Träume wahr werden zu lassen?

Es ist mehr als dreißig Jahre her, dass Mitglieder der British Interplanetary Society die erste ernsthafte Machbarkeitsstudie für ein Raumschiff mit Ziel zu den Sternen ausgearbeitet haben. Das Project Daedalus Team, unter der Führung von Alan Bond, gelangte zu der Schlussfolgerung: interstellare Raumfahrt ist machbar – der Daedalus Bericht enthält die vorsichtige Vorhersage, dass “eine sehr ungefähre untere Grenze für die Startzeit einer solchen Mission wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts liegt.”

Man kann nun die Frage stellen, ob es möglich wäre, ein Sternschiff - mit vielleicht etwas weniger ambitionierten Technologien als Daedalus - früher zu verwirklichen. Können wir Ideen und Projekte initiieren, die am Ende zum Start einer interstellaren Sonde führen, eventuell bis 2025?

Aber auf dem Weg zu den Sternen lauern viele Hürden. Die offensichtlichste von diesen stellen die riesigen Entfernungen dar, die ein Sternschiff bewältigen muss: Proxima Centauri, der nächste Nachbar unserer Sonne, ist etwa 4,24 Lichtjahre entfernt. Das ist rund 6.800 mal Pluto’s Entfernung.

Für Daedalus waren etwa 50 Jahre Flugzeit für die Überwindung solcher Entfernungen angestrebt. Motiviert wurde diese Grenze mit der Dauer eines aktiven Arbeitslebens, die bis zu 40 Jahre umspannen könnte. Somit würden die an der Mission beteiligten Menschen die Möglichkeit haben, die Ergebnisse der langen Fahrt erleben zu können.

Wenn wir aber die Annahme von solchen kurzen – mit Sicherheit kurz auf der kosmischen Zeitskala – Missionsdauern fallen lassen, so können wir bereits heute zwischen einigen viel versprechenden Antriebsmöglichkeiten wählen. Als Beispiel wollen wir die modernen Ionenantrieb und Sonnensegel nennen. Jüngste technische Entwicklungen zeigen Möglichkeiten auf, die etwa 2000 Jahre Reisezeit zum Centauri System ermöglichen könnten. Es gibt auch stürmische Entwicklungen auf dem Gebiet der Nanotechnologie und der Künstlichen Intelligenz (KI) – beide Disziplinen sind wichtig für die interstellare Raumfahrt.

Wir müssen nicht lange nach Motivation für die Sternreisen suchen. Angefangen bei der scheinbar ewigen Herausforderung, nach den Sternen zu greifen bis hin zu den in jüngster Zeit aufgekommenen Ängsten von existenzbedrohenden Risiken der Menschheit – z.B. ein Asteroideneinschlag -, ist die Liste lang.

Zum Schluss werfen wir noch einen Blick auf unser neulich erfundenes mächtiges Werkzeug für kooperatives Arbeiten, das Internet, und auf die dort entstehenden globalen sozialen Netzwerke.

Wenn ich nun die drei Gedankenstränge miteinander verbinde, komme ich zu meiner ungewöhnlichen Vorhersage:

“Die erste dedizierte interstellare Mission, mit Ziel zum der Sonne nächsten Stern oder sogar weiter, wird spätestens am 6. Dezember 2025 starten und eine breite öffentliche Unterstützung erfahren.”

Ich bin der Meinung, dass eine bewusst provokative aber prüfbare Vorhersage dazu beitragen kann, Diskussionen über das Thema zu inspirieren und die Menschen zum Nachdenken anzuregen. Die Webseite der Langen Wetten (Long Bets) - “ist eine öffentliche Arena für unterhaltsame, nachweisbare Vorhersagen, die gesellschaftliches Interesse wecken, mit philanthrophischem Geldeinsatz” - also ich bin dorthin gegangen und habe meine Vorhersage gemacht. Glücklicherweise hat mein Freund Paul Gilster die Herausforderung schnell angenommen. Wir einigten uns über die Bedingungen der Wette, legten unseren Einsatz auf den Tisch, benannten jeweils die Wohltätigkeitsorganisation, die den Gewinn bekommen wird – nun, Sie können einen Blick auf die Wette #395 bei http://www.longbets.org/395 werfen und Ihre Stimme für oder wider abgeben; Sie können auch den PI Club für weitere Informationen besuchen.

Eine der vereinbarten Bedingungen der Wette ist, dass die “geplante Missionsdauer weniger als 2.000 Jahre” sein muss. Diese Bedingung bedeutet eine minimale Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 650 m/s oder 137 AE/Jahr in Falle einer Proxima Centauri-Mission. (Zum Vergleich: die Geschwindigkeit der Voyager 1 Sonde ist 17.1 km/s, d.h. ca. 3.6 AE/Jahr).

Denken wir nun einen Moment darüber nach, was ein solches Raumschiff während der langen Reise tun könnte? Eine einfache Rechnung zeigt, dass mit der oben genannten Geschwindigkeit unsere Long Bet 395

  • im Jahr 1 durch den Kuipergürtel fliegen und das Heliosheath um 100 AE erreichen

  • im Jahr 2 die Heliosphäre bei ca. 200 AE verlassen

  • irgendwann in den Jahren 5 bis 10 den Gravitationsfokus der Sonne zwischen 550 und 1.000 AE hinter sich lassen
  • sich etwa im Jahr 20 der Oort’schen Wolke nähern wird.

Und die ganze Zeit kann sie Daten für die Untersuchung der Pioneer-Anomalie sammeln, bevor unsere Long Bet 395 schlussendlich im Jahr 2000 das Centauri System erreicht.

Es gibt also eine Menge Erkundungsmöglichkeiten unterwegs – sicherlich genug auch für ein 40-Jahre langes Arbeitsleben!

Wenn ich mit Leuten über die interstellare Raumfahrt spreche, sind sie in der Regel sehr interessiert. Das Thema strahlt die Faszination einer scheinbar unmöglich zu bewältigenden Herausforderung aus – also warum nicht über die Schaffung eines Wettbewerbs nachdenken? Vielleicht über einen Mega X PRIZE für 100 Million $, als Nachfolger des Google Lunar X PRIZE?

Für den Anfang gibt es bereits erste Überlegungen zu einem Projektwettbewerb – vielleicht für Raumfahrtstudenten – über Missionsentwürfe, die die Bedingungen unserer Wette erfüllen.

Ich bin überzeugt, dass ein solcher Wettbewerb ein schönes Beispiel für das Motto der British Interplanetary Society From Imagination to Reality darstellt. Und nach dem Wettbewerb wäre die Hoffnung des Daedalus-Teams, dass “…die Ergebnisse der Studie wird den Tag, an dem die Menschheit zu den Sternen aufbricht, einen Schritt näher bringen“ mit Sicherheit einen Schritt weiter auf dem Weg zur Verwirklichung.

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{ 2 } Comments

  1. jcl | 7. November 2008 at 20:02 | Permalink

    Ein finanzierbares 2000-Jahre-Projekt zum Alpha Centauri hört sich interessant an, aber was soll die Sonde am Zielort dann tun? Eine Funkverbindung zur Erde über diese Entfernung mit der Sendetechnik des 21. Jahrhunders ist vermutlich problematisch. Rückkehr zur Erde wäre ebenso schwierig, denn dann müsste eine vielfache Menge an Treibstoff mitgeführt werden.

  2. tibor | 15. November 2008 at 12:25 | Permalink

    Eine Möglichkeit für “vor Ort”-Tätigkeiten ist die Erkundung vom Planetensystem - sofern es Planeten dort gibt - bzw. der stellaren Umgebung des Ziels (Stichwort Heliosphäre) und vom Stern selbst. Dies kann z.B. mit kleineren Sonden, die sich vom Mutterschiff lösen und eigenständig arbeiten, durchgeführt werden. Im Daedalus-Ansatz gibt es z.B. 18 solche Sonden. Die Kommunikation kann ein Problem werden, aber dies hängt z.B. von der Energieversorgung des (Mutter)Raumfschiffes ab, da die Senderleistung entsprechend groß sein muß. Die heute üblichen RTGs (Radioisotopengenerator sind der Aufgabe wohl nicht gewachsen, also muß nach anderen Möglichkeiten gesucht werden.

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