Skip to content

Wohin will der Mensch?

Wir freuen uns fast täglich über neue Erfolgsmeldungen aus Wissenschaft und Technik. Und das zu Recht, denn wir (die Menschheit) haben viel erreicht und können stolz darauf sein. Und doch stellt sich die Frage: Wohin wollen wir, als Menschen, eigentlich hin, auf die lange Sicht. Wollen wir `human Menschen’ bleiben, oder uns `transhuman’ weiterentwickeln. Und wenn, dann in welcher Form?

Als Anlass nehme ich eine Meldung, ► Spiegel online, dass es Forschern angeblich gelungen sei, gezielt einzelne Erinnerungen aus dem Gedächtnis von Labormäusen zu löschen.Wie üblich wird diese Meldung übertrieben sein, doch das spielt hier keine Rolle. Ob nun heute, oder erst in 20 Jahren, einmal wird es möglich sein das Gedächtnis eines Menschen gezielt zu manipulieren.

Der entscheidende Punkt dieser Meldung ist nicht der wissenschaftliche Inhalt, sondern dass hier von `Euphorie’ gesprochen wird, und zwar explizit und an zentraler Stelle. Euphorie über die Aussicht Menschen mit traumatischen Erlebnissen dadurch zu helfen, dass man diese Erlebnisse einfach löscht. Wie beim Computer und ohne sonstige Nebenwirkungen.

Wie gesagt, ob das schon in 5 Jahren beim Menschen möglich sein wird, oder erst in 50 Jahren ist hierbei nebensächlich. Die Frage ist: Wollen wir das? Wollen wir alles was vordergründig aus medizinischen Gründen gut und recht ist auch verwirklichen?

Und die Manipulation des menschlichen Gehirns ist nicht die einzige Möglichkeit transhumaner Erweiterungen, über welche wir uns Gedanken machen sollten. Andere Entwicklungen wie die einer künstlichen Gebährmutter haben nicht weniger Auswirkungen auf unser Mensch-sein. Die Frage ist nicht welche wissenschaftlichen und technischen Möglichkeiten uns in den nächsten hundert Jahren alles offen stehen werden, sondern welche wir verwirklichen wollen. Wem viele Möglichkeiten offenstehen, wie dem Menschen heute, hat die Qual der Wahl. Und manchmal findet man den besseren Weg wenn man es langsam angehen lässt und nicht unbedacht den erstbesten Pfad in die Zukunft einschlägt.

Siehe auch ►Zukunftsforschung ohne Orakel.

  • english
  • german

{ 3 } Comments

  1. jcl | 27. Oktober 2008 at 15:27 | Permalink

    An die Frage ‘Wollen wir das?’ kann man von unterschiedlichen Ausgangspositionen aus herangehen. Man kann fragen: ‘Ist das noch menschlich oder schon transhuman?’ - oder man fragt einfach nur: ‘Ist es für den betreffenden Menschen, bzw. für die Gesellschaft gut oder schlecht?’

    Ich tendiere zu dem zweiten Standpunkt, denn die Grenze zwischen ‘human’ und ‘transhuman’ ist fliessend und daher ein schlechtes Kriterium. Künstliche Organe oder künstliche Befruchtung werden heute als normal angesehen. Genauso normal wird irgendwann das künstliche Löschen oder Erzeugen von Erinnerungen sein.

  2. Claudius Gros | 30. Oktober 2008 at 11:50 | Permalink

    Ich gebe Christian recht, der Übergang ist fliessend und es ist klar, dass keine Spezies für immer und ewig so bleiben wird wie sie heute zufälligerweise ist. Trotzdem ist es evolutionsgeschichtlich etwas Neues, wenn eine Spezies anfängt, an sich selber herum zu manipulieren.

    Ich bin der festen Überzeugung, dass bisher kein Einziger der Befürworter für eine transhumane Weiterentwicklung des Menschen auch nur den leisesten Schimmer hat, welche die langfristigen Konsequenzen und Nebenwirkungen sein werden. Bei unserem derzeitigen Stand des Wissens sind transhumane Eingriffe ins Menschliche ein reines Glücksspiel. Und ich meine es gibt gute, systemtheoretische Überlegungen, welche darauf hinweisen dass die Chance in diesem Glücksspiel deutliche gegen uns sind. Und dieses aufgrund der langfristigen und unvorhersehbaren Rückkopplungseffekte.

  3. Bernd Henschenmacher | 6. November 2008 at 17:23 | Permalink

    Ich stimme Claudius zu. Die Transhumanisten schein ein wenig die Komplexitär biologischer systeme zu unterschätzen. Es reicht nicht einfach eifrig Moleküle zu identifizieren, die wichtige Funktionen im Körper übernehmen, wir müssen das Gesamtsystem verstehen. Und hier steckt die Forschung noch in den Kinderschuhen, Die Frage ist, ob sich komplexe Systeme überhaupt beliebig in eine gewünschte Richtung leiten lassen und da bin ich sehr skeptisch. außerdem beinhaltet das Löschen von erinnerungen einen Eingriff in die Persönlichkeit, die so völlig umgewandelt oder gelöscht werden kann. Ich sehe das ethisch eher kritisch.

Post a Comment

You must be logged in to post a comment.