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Eine Zukunft?

Eine Zukunft? (AG)

Die Frage ist hier Programm. Wird es eine einzige Zukunft geben? Wenn sich die menschlichen Fähigkeiten weiter entwickeln würden, so wie andere Formen des Fortschritts es tun, dann würde es vielleicht mehrere Formen der Zukunft geben dürfen: freie wählbare. Bei dieser Annahme gehe ich davon aus, das es von Nutzen sein kann die Gegenwart von bestimmte Formen der Einschränkung der Freiheit durch Gewalt zu schwächen, welche sich durch bisheriges Unwissen verbreiten konnten, die aber durch eine bestimmte Form der Wissensverbreitung und in naher Zukunft sehr direkt und gezielt, dauerhaft und breit gestreut abzubauen wären. Es wäre evtl. möglich dies in maximal 3 bis 4 Generationen zu schaffen. Problematisch scheint dabei nur eines. Gewalt beschäftigt Menschen.

Gewalt prägt die Weltordnung. Verändert man ihr Wesen oder gar ihre Dimension schafft man Unordnung. Das ist nicht erwünscht. Zudem ist eine Welt ohne Gewalt vorerst nicht vorstellbar und zusätzlich für viele eine Bedrohung ihrer Interessen. Wenn die Gewaltrate in einer Gesellschaft prozentual und sichtbar gesenkt würde, was würden all die menschen mit den Milliarden Stunden gewonnener Zeit anfangen? mit welchen Aufgaben und mit welchem Lebenssinn sollten sie sich befassen? Was bedeutet es ohne Gewalt zu leben?

Eine humane oder eine post-humane Zukunft? (CG)

Stanislaw Lem beschreibt in seinem Zukunftsroman “Rückkehr von den Sternen” einen Astronauten welcher nach einer langen Reise durch den Kosmos aufgrund der Zeitdilation erst in einer fernen Zukunft zur Erde zurückkehrt. In dieser Zukunft ist alles friedlich, insbesondere die Menschen, denn diese werden bei der Geburt samt und sonders `betrisiert’. Dabei wird das Aggressionszentrum des menschlichen Gehirns operativ entfernt; die Behandelten werden zu `menschlichen Lämmern’.

Es ist eine schöne und wohlhabende Welt, ohne Kriege und Armut. Chirurgen gibt es keine mehr, denn bertrisierte Menschen haben für Blut und Laserskalpell nicht mehr das notwendige Aggressionspotential. Aber das ist nicht weiter tragisch, denn derartige Aufgaben werden in der Gesellschaft der Betrisierten von Robotern übernommen. Der Astronaut aus der Vergangenheit fühlt sich in der neuen Welt allerdings nicht wohl, ihm sind die betrisierten Menschen fremd. Er kann sie emotional nicht verstehen und diese können wiederum die Gefühle und die Wünsche des Astronauten kaum nachvollziehen. Als sich dann die Gelegenheit bietet, nimmt der Austronaut sie daher auch wahr. Er besteigt ein Raumschiff und kehrt zu den Sternen zurück.

Es ist 30 oder 40 Tausend Jahre her, seit die ersten Höhlenmalereien entstanden sind, in Spanien, Südfrankreich und anderswo. Diese grossartigen Kunstwerken haben immer einen sehr tiefen Eindruck auf mich hinterlassen. Es ist die Einsicht, dass es nur Menschen gewesen sein konnten, welche diese Malereien in einer solchen Vollkommenheit und wunderbaren Eleganz angefertigt haben. Menschen wie Du und ich. Menschen mit anderen Sitten und Gebräuchen, anderen Sprachen und Werkzeugen. Aber Menschen deren Gefühle und Ängste, deren Sehsüchte und Verlangen, wir verstehen und nachvollziehen könnten.

Seit mindestens 30 oder 40 Tausend Jahren gibt es uns also schon, doch wie lange noch, wie lange noch werden wir `human’ bleiben? Menschen wie die `betrisierten Menschen’ aus dem Roman von Stanislaw Lem, sie mögen einmal unsere Nachkommen sein, wir würden sie aber eher als `posthuman’ bezeichnen. Dann, wenn wir unsere Gefühle und unsere Emotionen nicht mehr mit Ihnen teilen könnten.

Perfekte Harmonie (HH)

Ein anderer Si-Fi Autor (?) beschrieb ebenfalls eine generierte friedliche Gesellschaft, durch wissenschaftliche Eingriffe den Menschen die Agressionen nehmend. Die Menschen dieses Experimentes leben letargisch und antriebslos vor sich hin. Daraus kann man den Schluß ziehen, daß die Wegnahme der aggressiven Triebe etwas natürlich sinnvolles und nützliches zerstören würde. Alles das treibt uns schließlich auch in die Zukunft, z.B. zur Besiedlung des Weltraumes. Wir könnten ja auch hier unten auf der Erde zufrieden verbleiben. Aber nichts da. Auch Zukunft25 folgt diesem Antrieb “Vorwärts in die Zukunft!”

Gleichzeitig ist es wahr, die Aggression - dem Wortsinn nach eine vorantreibende Kraft, wirkt nicht nur aufbauend, sondern auch zerstörerisch. Unsere westliche Demokratie, allen voran die Europäische Gemeinschaft, haben bewußt und mit großem Aufwand diese Kräfte so zu kanalisieren versucht, so daß zerstörerische Kräfte - als Krieg vermieden werden. Bisher eine Erfolgsgeschichte.

Eine entscheidende Ursache für zerstörerische Kräfte - Krieg sind Macht-und Ohnmachtsgefühle. Die einen wollen alles gewinnen, die anderen fürchten alles zu verlieren. Am Ende verlieren alle dabei. “Gewalt beschäftig Menschen” Erst zerstört man sich materiell und mental gegenseitig, dann muß man sich wieder aufbauen. Anders die demokratischen Spielregeln, wo letztendlich alle nur dabei gewinnen.

Eine Zukunft haben wir alle nur in einer agressiv friedliche Gesellschaft. Daher ist es eine individuelle wie kollektive Aufgabe, alle Möglichkeiten zunutzen um die Agressionen in eine friedliche Richtung hin zu entwickeln.

{ 1 } Comments

  1. andreu | 7. Februar 2008 at 19:33 | Permalink

    Gewaltfreiheit und Frieden sind zwei unterschiedliche Begriffe.
    Ebenso verhält es sich mit Gewalt und Aggression.
    So ist eine Zukunft in der Aggression konstruktiv eingesetzt wird denkbar und brauchbar.
    Aggression ist nicht mit Gewalt gleichzusetzen.
    Aggression gehört aus Systemtheoretischer Sicht zu den Vitalen Kategorien und ist human und brauchbar, sowie angeboren.
    Gewalt ist im Gegensatz hierzu pathobiologisch und pathogenetisch in einigen Fällen angeboren, aber in den meisten Fällen doch nur kulturell erworben.
    Es ist also wichtig die Begriffe in dem systemtheoretischen Kontext in dem sie angewandt werden auch zu begreifen und zu definieren.
    Gewalt wird Systemtheoretisch als Kontrollverlust von sozialen regulativen interpretiert, also als “Leck”. Dieser Kontrollverlust hat zwar verheerende Auswirkungen ist aber nie letal gewesen, außer in dem Sinne, als das bestimmte soziale Gruppen und Populationen (auch Kulturen genannt) verschwunden sind. Ebenso wie die Gewalt in großen teilen von den so genannten Kontrollverlusten abzuleiten ist, stammt sie von den in den Kulturen inkorporierten Mechanismen ab, die sich aufgrund mangelndem besseren Wissens eingepflanzt haben. Es gibt also gleich zwei praktische Ansätze an denen die Gewalt als ganzes in die Zange genommen wird. Von nun an wird Gewalt wie eine Krankheit verstanden und behandelt. Somit werden Instrumente entwickelt, die in den nächsten Jahrzehnten zwar immer wieder verbessert werden, aber auch immer effizienter werden.
    Aus systemtheoretischen Zusammenhängen wird deutlich dass wir hier von zwei sehr verschiedenen Sphären und Realitäten sprechen. So war Gewalt bis zu ihrer Beschreibung in der Systemtheorie der Gewalt ein in sich geschlossenes und störungsfrei funktionierendes System. Der Wandel der Realität vollzieht sich am Thema Gewalt an dem Punkt wo bestimmte Entscheider -und davon haben einige die Entscheidung getroffen die Gedanken aus der Systemtheorie der Gewalt umzusetzen- in die Realität eingreifen und diese anhand der ihnen bekannten und verständlichen Theorie neu gestalten. So entsteht derzeit eine gewaltfreie Realität, parallel zu der real existierenden gewaltvollen Realität. Es handelt sich um so genannte Cluster. Die Macher sind zuversichtlich, ruhig und entschlossen.
    Sie vertrauen der eigenen Entwicklung.
    Fazit ist aber auch, dass es sehr wohl positive Beispiele aus gelebter Erfahrung, also historisch dokumentierte humane Erfahrungen gibt über und von Gesellschaften die Gewaltfrei gelebt haben in der Vergangenheit, die sie als Beispiel verstehen.
    So soll die minoische eine solche Kultur gewesen sein von vielen, und diese ist aus systemtheoretischer Sicht besonders interessant wegen der vorhandenen Dokumentationen über diese Kultur.

    Dies bedeutet also, dass es in der Vergangenheit Kulturen gab, die Gewaltfrei und aggressiv gelebt haben. Die Systemtheorie der Gewalt geht diesem Unterschied nach und beschreibt zum einen die Grenzen zwischen den beiden Sphären, zum anderen beschreibt sie die Genese der Gewalt und auch die Ansatzpunkte an denen dieser Einhalt geboten werden kann.

    Nun gibt es in Europa und in den USA, erste gedankliche und auch praktische experimentelle Ansätze, wie das was in dieser Theorie beschrieben wird, als System entlarvt, demnach demontiert wird. Dies ist der erste Ansatz eines Übergangs von einer Systemtheorie zu einer Verhaltenstheorie.
    Diese Arbeit der Demontage des Gewaltsystems wird seit Jahren geleistet.
    Letztes Jahr wurden die ersten Ideen in Spanien umgesetzt in Form von Gesetzestexten und einer neuen Rechtsauffassung. Diese prägt bereits das Rechtsverständnis und die Rechtspraxis in diesem Land. So wurde dies deutlich auf dem entsprechendem Kongress formuliert.
    Ebenso wird der Gedanke in Deutschland auf wirtschaftliche Strukturen angewandt und in einem konkreten und existenten Areal einer Industrieregion ausprobiert, umgesetzt und aufgebaut. Das Projekt nennt sich Mechanical Valley. Es werden dort konkrete sehr deutlich sichtbare technische Projekte aufgebaut. Das Areal umfasst 11 ha.
    In diesem Sinne befassen sich derzeit auch Mitglieder in der UN mit diesem von mir formulierten Gedanken und arbeiten an Papieren und Konzepten, die irgendwann weltweit veröffentlicht werden.
    In den USA geht derzeit die Arbeit einen Schritt weiter über die Zusammenarbeit mit einer dortigen Stiftung die Weltweit operiert. Dort wird daran gearbeitet die von der Systemtheorie der Gewalt abzuleitenden Prinzipien und Gedanken auf ein ganzes Land zu erstrecken und über ein erstes 5 Jahresprogramm in Abstimmung mit der US Regierung und der Regierung aus dem ausgesuchten Land auszudehnen.

    Fazit ist dass, wie diese Beispiele zeigen, ohne großes Aufsehen eine Realität neu beschrieben wird, welche einen neuen Spielraum für Entwicklungen die Zukunft beinhalten ermöglichen. In diesem Sinne und bei allem Verständnis für mahnende Skepsis, erachte ich es für angebracht sich mal mit der Systemtheorie der Gewalt zu befassen. Der Text ist leider auf Spanisch, aber nichts desto trotz zugänglich.

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